Januar 2026 Rikitea/Gambier Islands/Französisch-Polynesien
Wir sind im Paradies angekommen. Nun, tatsächlich sind wir schon eine ganze Weile hier. Eigentlich wären wir am 5. Januar angekommen, wenn wir nicht vorher „gebremst“ hätten. Denn wir wollten erst mit dem ersten Licht durch den Pass fahren, der uns zur Insel Mangareva und zum Hauptort Rikitea führte.
Unterm Strich sind wir sehr zufrieden mit dem Törn, und hier gibt es jetzt eine kleine Zusammenfassung.

Da wir schon länger geplant hatten, wieder nach Französisch-Polynesien zurückzusegeln, hatten wir beschlossen, die höheren Temperaturen des Südsommers auszunutzen und auf ca. 40° nach Osten zu segeln. Aber letztendlich mussten wir gar nicht so weit südlich. 38° S war unsere südlichste Breite. Da für Ende Dezember bis Mitte Januar weniger Konvektion in den Tropen vorhergesagt war (siehe Madden-Julian-Oszillation) und dann damit zu rechnen war, dass es keine beziehungsweise kaum Tropical-Cyclone-Entwicklung gibt, entschieden wir spontan, einen Tag nach dem Launching von Belena auszuklarieren. Mit dem vorhergesagten Hochdruckgebiet segelten wir an dessen Südflanke, aber nur gerade so weit entfernt vom Hochzentrum, wo der Wind mit 6-10 kn blies und wir fast immer raumschots segeln konnten.

Die täglichen Vorhersagen zeigten keine negative Entwicklung und bestätigten ein nahezu stationäres Hoch. Dieses hat nur seine Form manchmal ein wenig geändert, wenn durch Sturmtiefs im Süden die Isobaren zusammengequetscht wurden. Dann hatten wir auch schon mal 30 kn, aber bei diesem stärkeren Wind segelte Belena nur mit Kutterfock entspannt dahin.
Unsere Etmale während des 3119-Seemeilen-Törns von Neuseeland waren eher unterdurchschnittlich für Belena, und nur zweimal erreichten wir Etmale über 200 Seemeilen.

Aber wir sind keine Racer und bevorzugen entspanntes, materialschonendes Segeln, und hatten infolgedessen auch keine Schäden am Material.
Das Hoch war uns dann tatsächlich so gnädig, dass es wartete, bis wir nach Norden abbogen, und wir an seiner Ostflanke weiterhin raumschots und dann halbwind bis kurz vor die Gambier-Inseln segelten. Am Ankerplatz war dann Nordlage mit Regen, gerade genug, um das Salz abzuwaschen, also alles wie bestellt.
Inzwischen herrscht wieder MJO (Madden-Julian-Oszillation) Aktivität in der Region westlich der Dateline mit entsprechender Konvektion, und Passagen sollte man jetzt nicht antreten.
Susanne Huber-Curphey ist übrigens die ganze Zeit, bis wir nach Norden abbogen, parallel mit uns gesegelt. Sie ist einen Tag vor uns in Neuseeland weg gesegelt, aber sie hat sich für eine Route einige Breitengrade südlicher entschieden. Meist hatte sie dort wesentlich mehr Wind, und teilweise war es sogar recht stürmisch in ihrer Gegend. Doch sie hatte auch Phasen ohne Wind, und das war auch nicht schön, weil das Boot durch den Schwell hin und her geworfen wurde. Sie macht zurzeit einen Zwischenstopp in Puerto Williams in Chile, und wir sind schon gespannt, zu erfahren, wohin sie weitersegeln wird.

Bemerkenswert war, dass wir bis auf eine Pilotwalschule in der Nähe von Neuseeland auf der ganzen Strecke keine Wale oder Delfine gesehen haben. Wir haben auf über 3000 Seemeilen nicht einen einzigen Fisch gefangen, und es haben sich auch keine Fliegenden Fische aufs Deck verirrt, wie wir das bei der Atlantiküberquerung häufig hatten. Allerdings hatten wir gelegentlich einen Squid an Deck, der aber zu klein zum Essen war. Als wir noch nicht allzu weit von Neuseeland entfernt waren, sahen wir gelegentlich Albatrosse, die elegant über uns hinwegflogen. Später, einige Tage vor der Ankunft, haben wir Feenseeschwalben gesehen, oder zumindest glauben wir, dass es diese Vögel waren. Wir haben uns darüber sehr gewundert, da wir doch noch recht weit von Land entfernt waren. Wir hatten den Eindruck, dass die Vögel sich an Deck ausruhen wollten, doch es hat sich keiner getraut.
Fünf Tage nach der Abfahrt von Neuseeland haben wir einen Tanker gesehen, und kurz vor unserer Ankunft haben wir ein Schiff gesehen, das auch nach Mangarewa fuhr. Das war’s. Keine Fischerboote und keine sonstigen Boote, und Susanne war weit südlich von uns, meist zwischen 40° und 50° südlicher Breite.

Kulinarisch konnten wir uns auf dem Törn auch nicht beschweren. Wir hatten noch lange frische Lebensmittel, und sogar bei der Ankunft in Rikitea war das eine oder andere noch an Bord. Zum Glück ist es hier nicht so wie in Neuseeland, wo man bei jedem Segelboot die noch übrigen frischen Lebensmittel konfisziert. Bei der Berufsschifffahrt und bei Kreuzfahrtschiffen wird das nicht gemacht, aber Segler sind ein leichtes Ziel. Das Einklarieren hier in Gambier kann insgesamt nicht einfacher sein. Der Gendarm stempelte den Pass und sagte „Welcome“ , keine Kosten, keine „Advanced Notice of Arrival“ oder ähnlich sinnlose Formulare für all die verschiedenen Wichtigtuer-Behörden. So gefällt uns das.

Das Wetter ist schön sonnig, das Wasser warm und glasklar. Die Einheimischen sind nett, und auch von der Seglergemeinde sind wir herzlich aufgenommen worden. Den Transocean-Stützpunktleiter Fritz haben wir schon besucht und uns auch mit anderen Seglern getroffen.
Wir haben außer Rikitea bereits Taravai erkundet und auch schon am legendären Barbecue von Hervé und Valérie teilgenommen. Benno hat einem Fischer den Tiefkühlschrank repariert, und einen Tag später hat dieser einen Black Marlin von 207 kg gefangen. Wir haben jetzt einige Kilos Fisch in unserem Freezer, und um Fisch müssen wir uns jetzt keine Gedanken mehr machen. Der Fischer fährt fast täglich raus, und wir haben mittlerweile Mahimahi und Tuna im Freezer. 😁 Die Versorgungslage mit anderen Lebensmitteln ist gut, wenn auch teuer. Aber das haben wir vorher gewusst, doch es schmälert unsere Freude nicht, hier zu sein. Obst und Gemüse bekommen wir auch manchmal geschenkt.

Jetzt ist erstmal Urlaub angesagt mit Tauchen, Schnorcheln, Wandern und Treffen mit anderen Seglern. Zurzeit ankern wir vor der Insel Akamaru und neben dem Inselchen Mekiro. Wohin es danach geht, wird der Wind entscheiden.